Die Universität Paderborn beendet das MuPAD Projekt



Stand des MuPAD Projekts am Anfang des Jahres 2005

Den damaligen Stand des Projekts schildere ich schon deshalb, weil er ahnen lässt, mit welchem Einsatz und Enthusiasmus wir an der mit diesem Projekt verbundenen Vision gehangen haben.

In Bezug auf Entwicklung und Forschung war die Situation nie besser!

Neue Produkte zur Unterstützung der Lehre waren entwickelt, eine Oberfläche für Linux stand vor der Freigabe, neue Funktionalität wurde implementiert, die Effizienz des Systems war verbessert, viel versprechende Weiterentwicklungen auf der Basis unserer Methoden der Software Integration wurden begonnen, die Entwicklungen für das Internet hatten eine neue und ungeahnte Stabilität gewonnen und der Prototyp des Online Examination Tools hatte überraschenden Erfolg. Daneben fand unser MS-Word AddOn mehr und mehr Freunde. Auch in der abstrakten mathematischen Forschung wurden neue Algorithmen gefunden und ein neues viel versprechendes Projekt zur effizienten Behandlung von Differentialgleichungen war gestartet worden und wies erste Erfolge auf.

Alles das ging viel besser, als wir je zu hoffen gewagt hatten, und dies obwohl wir immer noch 93 Prozent unserer Lizenzen kostenfrei abgaben und als Förderer an gemeinnützigen Programmen teilnahmen, welche die IT-Perspektiven unserer Schulen deutlich verbessern sollten. Ausserdem hatte SciFace der Uni Paderborn Entwicklungsaufträge in Höhe von etwa 1 Million DM gegeben.

MuPAD hatte nun lokalisierte Versionen in Deutsch, Englisch, Japanisch, Polnisch und die in Chinesisch stand bevor. Zwar wies die Firma SciFace immer noch, wie jedes Jahr davor, ein Defizit auf. Aber so lange ein Gesellschafter da war, der Opfer für die Visionen von uns allen zu bringen bereit war, bestand keine Gefahr. Irgendwann würden wir es schaffen auch andere von diesen Visionen zu überzeugen.

Trotzdem breitete sich über die Perspektiven für MuPAD's Zukunft am Jahresende 2004 Finsternis aus.

Das AutoMATH Institut der Universität und damit die MuPAD Forschungsgruppe an der Universität Paderborn sollten geschlossen werden (entweder am 31 Dezember 2005 oder am 31. Juli 2006). Da die Zeit für einen geordneten Wissenstransfer an einen anderen Partner (davon hätte es genug gegeben), verstrichen war, stand bevor, dass alle Mitarbeiter der MuPAD Forschungsgruppe ihre Arbeit verlieren würden. Dies in einer Zeit wo Arbeitslosigkeit in Deutschland ein bedrückendes Schicksal bedeutete.

Eine Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie, die vom Land gewollt war, und die 1998 noch mit dem Förderpreis des Technologie Forum Paderborn e.V. für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ausgezeichnet worden war, war zerschlagen. Die ausgestreuten Gerüchte, dass die MuPAD Entwicklung gänzlich eingestellt werde, hatten verheerende Auswirkungen auf die Verkäufe von SciFace, was dazu beitrug, die Situation zu verschärfen.

Wie konnte eine solch viel versprechende Situation nur in einem so verzweifelten Zustand enden?

Eine kurze Geschichte der Zerstörung des MuPAD Projekts an der Universität Paderborn